Liberty Interviews – Wolf von Laer

von Redaktion

Dr. Wolf von Laer ist der CEO von Students For Liberty. Von Laer hält einen PhD in Political Economy vom King’s College London und schreibt für diverse Zeitungen und Zeitschriften. Er hat auch ein Buch über das Notenbanksystem und Free Banking als eine Alternative verfasst.

Was heißt Freiheit für Sie?

Freiheit ist die Einstellung, dass man anderen Menschen vertraut, dass man befürwortet, freiwillige Lösungen zu sozialen Problemen zu finden und nicht immer nur an den Staat appelliert, welcher nur durch Restriktionen und die Drohung von Gewalt operieren kann. Linke wie auch Rechte denken, dass Menschen dumm sind und von den weisen Bürokraten und Politikern geführt werden müssen. Liberale sehen das anders. Freiheit repräsentiert diesen Glauben.

Welches Buch (oder Bücher) haben Sie bisher am meisten verschenkt? Oder: welche ein bis drei Bücher hatten den größten Einfluss auf Ihr Leben?

Victor Frankl – Man’s Search for Meaning: Ein großartiges Buch, welches einem hilft, seinen eigenen Lebensweg zu finden.

Mises – Socialism: Wenn man das Buch gelesen hat, wird man jeglichem Staatseingriff skeptisch gegenüber werden. Es ist die beste Darstellung, warum Sozialismus nicht funktioniert und warum der Staat per Definition ineffizient agieren muss. 

Mark Goulston – Just Listen. Grossartiges Buch, wenn man ein besserer Manager sein möchte. Unglaublich wichtig, um mit Freiwilligen oder auch Angestellten zu arbeiten.

Was erwarten Sie in puncto Freiheit vom 21. Jahrhundert?

Ich bin optimistisch. Ich bin optimistisch wegen der Arbeit der Tausenden von Freiwilligen (wie die großartigen Autoren und Redakteure des Freydenkers) in 114 Ländern, die Teil des Students For Liberty-Netzwerks sind. Ich sehe jeden Tag, welche fantastischen Taten junge Menschen vollführen, um für eine freiere Zukunft zu kämpfen. 

Weiterhin bin ich auch mittelfristig optimistisch, da mit Bitcoin die Menschheit zum ersten Mal eine Technologie hat, die eine Alternative zum Fiatgeld darstellt. Fiatgeld ist das größte Problem des Liberalismus und wenn wir die Probleme mit dem Geld lösen, werden wir viele Probleme in der Welt lösen. Fix the money, fix the world. 

Wo sind für Sie die Grenzen der Freiheit? Wann muss Freiheit eingeschränkt werden?

Liberale sagen, dass die Freiheit des Anderen die Grenzen meiner Freiheit darstellen. Das ist ein guter Startpunkt, jedoch in der Praxis schwierig. Speziell wenn Grenzen umdefiniert werden und Wörter mittlerweile als Gewalt interpretiert werden. Das ist problematisch und schwierig auszutarieren. Weitestgehend muss Freiheit in ein funktionierendes Rechtssystem eingebettet sein. Verträge beruhend auf freiwilligen Vereinbarungen – Wohngemeinschaften, Eigentum, Unternehmertum – können eine zivile Geselllschaft aufrechterhalten. Diese Verträge sollten auf der kleinstmöglichen Ebene durchgesetzt werden. Umso komplizierter das Leben ist, desto weniger sollten wir uns auf „one size fits all“-Lösungen auf einer sehr hohen Ebene wie der Bundesebene  verlassen. Small is beautiful, und wir sollten uns in eine Richtung des radikalen Dezentralismus und der Subsidiarität begeben.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Freiheit in den letzten 100 Jahren?

Allgemein ist die Welt ein viel besserer Ort. Über die Hälfte aller Menschen leben mittlerweile in der Mittelschicht. In 1820 lebten 94 Prozent der Welt in absoluter Armut (weniger als zwei Dollar pro Tag). In 1980 lebte die Hälfte aller Menschen in absoluter Armut. Heutzutage sind es weniger als 9%. Das ist das Resultat von Handel, Eigentumsrechten und Freiheit. Das bedeutet Milliarden von Menschen können ihre Kinder aufwachsen, zur Schule und sogar zur Universität gehen sehen. Vor ein paar Jahrzehnten wären diese Kinder vermutlich an schlechter Ernährung und irgendwelchen Krankheiten gestorben. Frauen und Minderheiten haben mehr Rechte und die Welt ist viel besser für viele Menschen. Gibt es Rückschritte und gibt es viel zu viel Leid auf der Welt? Natürlich! Aber wir sollten auch mal etwas Abstand gewinnen, pausieren und dankbar sein, wie viel Prosperität, Leben und Freude der Markt und Eigentumsrechte uns beschert haben.

Wenn Sie eine riesige Botschaft am Brandenburger Tor platzieren könnten, was würde darauf stehen und warum?

Bitcoin ist Freiheit. Bitcoin ist abgesehen von den Students For Liberty die beste Möglichkeit, Freiheit in unserer Zeit auf der Erde zu erlangen. Sich über Bitcoin zu informieren und zu lernen, was für eine Revolution es darstellt, ist ein absolutes Muß.

Lieber eine freie, aber arme Gesellschaft oder eine prosperierende Diktatur?

Ersteres, speziell weil die Gesellschaft nicht lange arm bleibt und viele Möglichkeiten eröffnet. Diktaturen werden weniger Möglichkeiten eröffnen (abgesehen davon, eingesperrt zu werden) und langfristig ärmer werden.  

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