Klassenausflug: Der Freydenker bei der LibertyCon

von Juan De Dios Estevez

Es war April 2020 als die letzte LibertyCon über 1.000 Teilnehmer aus ganz Europa (und der Welt!) in Madrid anlockte. Ein paar Tage später schlossen die Länder ihren Grenzen und setzten zum Teil drakonische Maßnahmen durch. 2021 musste die größte klassisch-liberale und libertäre Konferenz Europas abgesagt werden.

Nun, nachdem der Großteil der libertären Veranstaltungen in Europa zwei Jahre lang lahmgelegt wurde, durfte am 23. und 24. April endlich die LibertyCon 22 stattfinden. Und das ganz ohne Masken, Impfpässe, Tests oder irgendwelche andere G-Varianten! Über 700 freiheitliche Studenten versammelten sich für ein Wochenende in Prag und diskutierten mit renommierten Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft. 

Für unser Magazin war das Wochenende noch außerordentlich  besonderes, denn das Freydenker-Team war nicht nur in großer Zahl anwesend. Der Freydenker durfte sogar als offizieller Partner an der LibertyFair teilnehmen. Dass unser Stand sich neben denen wichtiger Institutionen wie dem CATO Institute aus Washington oder dem Institute for Economic Affairs aus London befand, wird mit Sicherheit als Motivationsboost fungieren. Hunderte Teilnehmer informierten sich über unsere Projekten und Arbeit. Über drei Kisten Print-Magazinen durften verteilt werden – die Freiheit wird nämlich nicht nur online verteidigt!

Die LibertyCon bot eine breite Palette an Diskussionen, Vorträgen und Workshops an. Für die Bitcoin-Maximalisten dürften Vorträge mit Persönlichkeiten wie George Selgin und Stephan Livera interessant gewesen sein. Bemerkenswert war die große Anzahl an Institutionen und Sponsoren aus der Krypto-Szene – mehrere Teilnehmer durften an dem Wochenende ihre ersten Satoshis kaufen (der eine oder anderer aus unserem Team konnte sogar überzeugt werden, dass Bitcoin doch digitales Gold ist). Hier durften viele Krypto-Anhänger lernen, dass die Dezentralisierung des Geldes ein Kernthema der libertären und liberalen Ideen ist. Viele Menschen aus der Krypto-Szene sind Libertäre – ohne es zu wissen! Durch Veranstaltungen wie die LibertyCon können wir mehr Menschen erreichen und die Botschaft der Freiheit voranbringen.

Das Wochenende war in vielen Hinsichten jedoch anders, nicht nur wegen der Pandemie – sondern auch (und besonders) wegen der russischen Invasion der Ukraine. Vor dem Krieg war die Students For Liberty-Gruppe in der Ukraine eine der größten in Europa. Viele von den Mitkämpfern erzählten jetzt über den Horror des Krieges und die Gefahr für die Freiheit im Westen durch Russland und andere autoritäre Regimen.

Nach der Opening Speech von Dr. von Laer, CEO der Students for Liberty, lieferte Sviatlana Tsikhanouskaya, die belarussische Oppositionsführerin, die Begrüßungsworte. Mehrere Vorträge widmeten sich Belarus, Ukraine und Russland – Länder, in der die Menschen ihre Leben in Gefahr bringen, um mehr Freiheit zu erlangen. Dr. Tom Palmer vom  Atlas Network und CATO Institute sprach über die liberalen Strömungen in der Ukraine und die Gefahr des Kollektivismus. Tatsiana Khomich, Vertreterin des belarussischen Rats für politische Gefangene und Schwester der inhaftierten Oppositionsführerin Maria Kalesnikawa, diskutierte über Liberalismus in Westeuropa. Prof. Leszek Balcerowicz, ehemaliger Finanzminister der ersten nicht-kommunistischen Regierung in Polen, erzählte, wie er mit seinem Balcerowicz-Plan die Zentralwirtschaft Polens radikal auf die Marktwirtschaft umstellte.

Fragen über den Westen nach Covid oder ob Jesus ein Sozialist war, füllten das Programm aus. Nach zehn produktiven Stunden voll mit Diskussionen, Debatten und Networking, zog das Programm in die Lokalität Chapeau Rouge weiter, hier wurde bis tief in der Früh getanzt.

Am Sonntag ging das Programm erst um 14 Uhr weiter. Diesmal nicht mehr in einem Konferenzgebäude, sondern im lockeren Rahmen, denn am Sonntag fand das LibertyFestival statt. Zwischen Musik, Filmen, Bier und Burgers genossen Gleichgesinnte alle Arten von Diskussionen: Sind Steuern Diebstahl oder vielleicht doch Raub? Wer wird die Straßen in einer Privatstadt bauen? Warum sollte Crack nicht legal sein?

Die Präsentationen am Sonntag drehten sich um Pop-Kultur, denn wenn die Freiheitsbewegung mehr Leute erreichen will, dann sollten wir vielleicht unsere akademischen Lesekreise und Hayek-Clubs nicht als einzigen Mechanismus betrachten, sondern wir müssen direkten Einfluss auf die Kultur nehmen. Science-Fiction, Musik, Filme: das sind Bereiche, die von Liberalen und Libertären vernachlässigt wurden. An dem Tag prämierte sogar die Doku „The Free Life: Portrait of an Artist“ von Matt und Terry Kibbe, Präsidenten von Free The People!

Nach einem zweiten Tag mit intensivem Austausch verschwanden die Tische und Stühle aus dem Raum und das DJ-Pult wurde aufgebaut. Bis spät in der Nacht wurde getanzt, gesungen und getrunken – im Hintergrund wehte ständig eine „Liberty or Death“-Flagge. 

Seit 2012 findet die LibertyCon in Europa statt und fungiert als Treffpunkt für Liberale und Libertäre aus dem ganzen Kontinent. Think-Tanks, Universitäten und Stiftungen nutzten die Gelegenheit neue Kontakte zu knüpfen und für ihre Projekte zu werben. Akademiker, Aktivisten und Personen des öffentlichen Lebens erzählten über ihren Einsatz  für ein freieres Europa. Nach so einem Wochenende merkt man, dass es noch viel zu tun gibt. Aber vor 10 Jahren hätte keiner geglaubt, dass die Freiheitsbewegung irgendwann so groß sein wird – es gilt also sich weiter für die Freiheit einzusetzen! Egal wie oder wo, jeder Schritt kann einen Unterschied machen, jede Stimme gegen Autoritarismus hilft die Freiheit voranzubringen! 

Du konntest an dem Wochenende nicht dabei sein? Hier kannst Du Dir einige Vorträge ansehen!

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