Markt und Masken: Warum wir ohne Marktwirtschaft ein echtes Maskenproblem hätten

von Vincent Czyrnik

Sie arbeiten in unseren Krankenhäusern, schuften in Nacht- und 24-Stunden-Schichten und kämpfen dabei für unseren wichtigsten Wert: Unsere Gesundheit. Gerade in Zeiten von Corona überstehen sie fast jede Zerreißprobe – unsere Krankenschwestern, Ärzte und Krankenpfleger arbeiten trotz mittelmäßiger Bezahlung hart und ehrlich. Um ihr Tagewerk zu verrichten, brauchen sie Schutzkleidung, vor allem Masken, die infolge der Krise fast unbezahlbar für Krankenhäuser werden.

So lag der Preis für FFP2-Masken noch Mitte Februar bei 45 Cent, schnellte dann bis Ende diesen Monats auf 13,52 Euro hoch, was einer Preissteigerung von 3000(!) Prozent entspricht. Für Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe, gibt es für diese Problematik nur eine Lösung: Es müsse „so schnell wie möglich eine Agentur, eine Bundesagentur, beauftragt werden, die deutschlandweit die Produktion der entsprechenden Produkte vorbereitet und vergibt. Lauterbach sieht im Preiswucher für Masken „nichts, was der Markt auch nur im Ansatz lösen könnte“.

Wir alle kennen das Bild: Der gierige Unternehmer, der in Zeiten von Corona den Missstand der Krise ausnutzt und sich nicht zu schade ist, für überlebenswichtige(!) Materialien Preise zu verlangen, die mehr als unangemessen sind. Die Moral hat versagt, der Markt hat versagt, kurz gesagt: Ein erneuter Fall von Marktversagen.

Wie können wir ein System wie die Marktwirtschaft legitimieren, das solche Menschen auch noch mit saftigen Profiten belohnt? Oder sollten wir in Zeiten der Krise, wie es Karl Lauterbach fordert, Alternativen versuchen und die überlebenswichtigen Masken zentral, kontrolliert und mit Preisobergrenzen herstellen?

Warum der Preis steigt, ist eine ökonomische Binsenweisheit, der sicher auch Lauterbach zustimmen würden: Die nachgefragte Menge steigt, in dessen Folge der Preis steigt. Ob diese Problematik des steigenden Preises mit staatlicher Intervention verbessert oder gar gelöst werden kann, soll im Folgenden deutlich hinterfragt werden.

Das Problem infolge des Nachfrageschocks für Masken liegt nicht nur in der nachgefragten Menge, sondern auch in der produzierten Menge. So wurde bei Maybrit Illner der Maskenhändler Achim Theiler gefragt, was er von einer Beschlagnahmung von Masken bei Maskenherstellern halte. Er antwortete mit einem Lächeln und stellte die Gegenfrage: „Was soll er [der Staat] denn beschlagnahmen?“ Die zumeist aus China importierten Masken sind dauerhaft ausverkauft.

Wie soll eine Preisobergrenze dieses Problem lösen? Die Masken aus China sind nur für einen hohen Preis verfügbar und die Herstellung von Masken in Deutschland sei sehr kostenintensiv, so Theiler. Eine Preisobergrenze würde dazu führen, dass dem Produzenten kein oder nur ein geringer Gewinn bleibt. Mit einer Preisobergrenze geht der Anreiz für den Produzenten verloren, möglichst viele Masken zu produzieren. Damit wird ein wichtiger Mechanismus der Marktwirtschaft ausgehebelt: Die Anreizwirkung von Preisen weit über den Produktionskosten. Denn geht von diesen Anreizen die Wirkung aus, dass Unternehmer ihre Chance wittern, Profit zu generieren und in die Maskenproduktion einsteigen. Es wird versucht, Masken zu geringeren Kosten als die Konkurrenz herstellen. Folge: Die Preise normalisieren sich mit der Zeit. Die massive Preissteigerung ist in der Marktwirtschaft nach einem Nachfrageschock normalerweise nur von kurzer Dauer, solange die hohen Preise weit über den Herstellungskosten liegen.

Dass dieser Mechanismus funktioniert, konnten wir auch in der Corona-Krise beobachten. Jeder mit ausreichend Talent und Fähigkeit setzte sich an die Nähmaschine und schneiderte Masken für Familie, Freunde und Bekannte – aber auch zum Verkauf. Die Maskenknappheit führte zu einem Anreiz, den jeder mit dem nötigen Talent für sich ausnutzen konnte – so egoistisch das auch klingen mag. Auch Firmen, die vorher noch Matratzen, Autositze oder Kleidung herstellten, stiegen in den Markt ein und stellten ihre Produktion um.

Nun könnte man entgegnen, dass die selbstgenähten Masken die Hygienestandards für überlebenswichtige Berufe nicht einhalten. Zumindest für Masken im medizinischen Bereich könne doch in Zeiten der Krise, wie Lauterbach es fordert, auf eine zentrale Produktionsplanung durch den Staat zurückgegriffen werden?

Karl Lauterbach erklärt nicht, wie diese Idee konkret umgesetzt werden sollte. Braucht er auch nicht. Denn auch im professionell produzierenden Sektor gelten die Anreize wie auch für Masken ohne gewisse Standards. Zentrale Planung führt dazu, dass das Ausmaß an Entscheidungsspielraum der Betriebe reduziert wird, zum Beispiel in der Preissetzung. Damit wird der Mechanismus der Marktwirtschaft untergraben, dass Unternehmen bei hohen Preisen versuchen, in den Markt einzusteigen, da durch die zentrale Planung die Preise gar nicht steigen können. Es liegt kein „Cash on the Table“, wie der Ökonom sagen würde.

Hinzu kommt die Tatsache, dass vorrangig der hochgradig staatlich regulierte Gesundheitssektor die professionellen Masken nachfragt. Bevor ein Instrument auf der Produktionsseite – was ohnehin nicht zielführend ist – in Erwägung gezogen werden sollte, sollten stattdessen nur jene staatlichen Instanzen die professionellen Masken nachfragen, die diese auch tatsächlich benötigen.

Auch in Zeiten von Corona zeigt sich, dass wir Marktwirtschaft brauchen. Die dezentralen „profitgierigen“ Groß- und Kleinunternehmer sorgen dank des Preismechanismus dafür, dass „Wucherpreise“ für Masken – auch im medizinischen Sektor – nur von kurzer Dauer sind. Statt nach Marktversagen zu rufen, können wir für die Früchte dankbar sein, die er uns beschert.

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