Cannabis wird legal, und bald auch die harten Drogen?

von Vincent Czyrnik

Kiffen wird legal. Ob Gras, Marihuana, Dope, Weed oder Hasch – bald bekommst du es an jeder Straßenecke. Und zwar nicht beim dubiosen Dealer, sondern in einem zertifizierten, legalen Cannabis-Shop. 

Damit machen wir uns das Leben einfacher: Vorher verabredeten sich Käufer und Verkäufer in Telegramgruppen, um dann an dunklen Plätzen oder in Hinterzimmern zu dealen. Das Risiko war hoch, „abgezogen“ zu werden oder qualitativ schlechtes Gras zu erwischen. Hinzu kam die Gefahr, von der Polizei ertappt zu werden, und diese hatte dann viel damit zu tun, den Kavaliersdelikt rechtlich sauber aufzuarbeiten. Nun bekommt der Kiffer sauberes Zeug und die Justiz hat weniger Aufwand.

Umfragen aus dem Jahr 2023 zeigen jedoch, dass gut die Hälfte aller Deutschen sich wünscht, Cannabis bliebe illegal. Sie sind sich sicher: „Cannabis ist kein Brokkoli! Mit diesen Worten wies die damalige Drogenbeauftragte der Bundesregierung Daniela Ludwig zurecht auf die Gefahren der Substanz hin. So kann Cannabis zu Antriebsschwäche, Depressionen und Psychosen führen. Die naheliegende Überlegung war dann, dass das Verbot viele, insbesondere Minderjährige, vor diesen Gefahren schütze.

Aber ungeachtet des jahrzehntelangen Verbots ist Cannabis in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Prohibition hat nicht funktioniert. Die logische Folge war und ist, über einen neuen rechtlichen Umgang mit der Substanz nachzudenken. 

Regulierung statt Verbot

Die Entscheidungsträger in der Politik haben begriffen, dass ein Verbot mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringt – insbesondere für jene, die vor oder zumindest beim Konsum von Cannabis geschützt werden sollen. 

Minderjährige müssen geschützt werden. 

Für Kinder und Jugendliche ist Kiffen besonders gefährlich. Bei ihnen ist die Gefahr, an Depression oder Psychosen zu erkranken, um ein Vielfaches höher als für Erwachsene. Folglich bleibt der Verkauf an Jugendliche illegal. Und die Justiz kann sich nun auf jene Kriminellen konzentrieren, die Gras an Minderjährige weitergeben. 

Konsumenten müssen geschützt werden. 

Gras-Konsumenten sehen sich mit mehreren Risiken konfrontiert. Erstens ist auf dem Schwarzmarkt häufig qualitativ-schlechtes Cannabis im Umlauf. Dealer strecken das Gras mit gefährlichen Stoffen wie Haarspray oder dem kunststoffhaltigen Brix. Dieses Risiko wird durch die Legalisierung verringert: Konsumenten können legales, zertifiziertes Gras erwerben, welches sauberer ist – und damit nicht gestreckt wird. Solange der Kauf noch illegal war, war an eine Zertifizierung von Gras nicht zu denken.

Zweitens besteht das Risiko eines ausartenden Cannabis-Konsums. Hier kann nun gezielt Aufklärung geleistet werden: Kiff’ nicht zu viel, kiff’ nur an sicheren Orten. Daher kommt das neue Cannabis-Gesetz mit Aufklärungsangeboten in Cannabisshops und Schulen. 

Hinzu kommt der Punkt, dass sowohl der Dealer als auch die Kiffer durch das Verbot in die Illegalität gedrängt wurden. Der Dealer bietet häufig nicht nur Gras an, sondern auch härtere Drogen. Die Versuchung ist nahe, auch das härtere Zeug dem Kiffer anzubieten. Wird Kiffen legal, verschwindet das Kiffen aus den Hinterzimmern. Das kann zur Folge haben, dass Menschen, die einfach gerne ab und zu einen Joint rauchen, seltener mit härteren Drogen in Kontakt kommen.

Nicht-Konsumenten müssen geschützt werden. 

Auch für Menschen, die nichts mit Cannabis zu tun haben (wollen), kann legales Gras Vorteile bringen. 

Zum einen kommen durch die Cannabislegalisierung weniger Leute mit harten Drogen in Kontakt, zum anderen bekommen die Kiffer sauberes und damit für sie gesünderes Gras. Das kann die Kosten für das Gesundheitssystem verringern; außerdem sinkt die Beschaffungskriminalität, wenn weniger Menschen in die Illegalität gedrängt werden. Es kann also passieren, dass durch das legale Gras die Fahrraddiebstähle (eine Folge der Beschaffungskriminalität) in den deutschen Städten abnehmen. 

Darüber hinaus bleibt das Kiffen in Restaurants und Kneipen, das heißt überall dort, wo Alkohol konsumiert wird, verboten. Es kann also weiter Burger und Bier im Lieblingsrestaurant geschlemmt werden, ohne von süßlichem Grasgeruch gestört zu werden. 

Warum nicht auch harte Drogen legalisieren?

Durch die Cannabis-Legalisierung gibt es durchaus Vorteile für weite Teile der Gesellschaft. Und vielleicht ist es auch an der Zeit, über den rechtlichen Umgang mit härteren Drogen wie LSD oder gar Heroin nachzudenken. Es geht hierbei wieder um den Schutz der Minderjährigen, der Konsumenten und auch der Nicht-Konsumenten. 

LSD oder andere psychedelische Substanzen wie Zauberpilze gewinnen in der Psychotherapie an Bedeutung. So finden an der Charité in Berlin im Moment Pilotstudien über die Behandlung von Depression mit Psilocybin (dem Wirkstoff von Zauberpilzen) statt. Zudem schwören einige auf das Microdosing (der Konsum von Kleinstmengen von LSD oder Zauberpilzen) und seine kreativitätssteigernde Wirkung für die Berufswelt. Andere hingegen nutzen die Substanzen zur Erlangung von Selbsterkenntnis. 

Ob man an die Versprechungen der psychedelischen Substanzen glaubt oder nicht – eine Lockerung des Verbots könnte die Lage der Konsumenten verbessern, weil sie saubere und zertifizierte Substanzen bekommen; außerdem könnte gezielt Aufklärungsarbeit geleistet werden. So wissen viele nicht, ab welcher Dosis Zauberpilze und Co. gefährlich für sie werden. Für Minderjährige sollten die Substanzen verboten bleiben. 

Bei Heroin sieht die Lage ein wenig anders aus: Außer der berauschenden und schmerzlindernden Wirkung bringen die Substanzen eigentlich nur Nachteile. Doch auch hier lohnt es sich, über eine Abschwächung des strikten Verbots nachzudenken. 

In der Schweiz wurde in den 90er Jahren legales Heroin unter ärztlicher Begleitung an Schwersüchtige ausgegeben. Mit Überraschung stellte man fest, dass ihre gesundheitlichen Beschwerden mit der Zeit abnahmen. Einige konnten sogar wieder einem normalen Job nachgehen und kamen weg von der Straße. Das legale Heroin hatte auch Vorteile für die Nicht-Konsumenten: Wenn Süchtige nicht in die Illegalität getrieben werden, einem geregelten Job nachgehen und bezahlbares Heroin bekommen, dann müssen sie keine Beschaffungskriminalität begehen. Die Nicht-Konsumenten müssen sich weniger um ihr Auto oder Fahrrad sorgen. 

Doch zunächst einmal wird lediglich Cannabis in Deutschland legal. Es wird zeigen, wie wir mit dieser vormals illegalen Droge umgehen werden. Einige Kritiker werden überrascht sein, wie wenig sie das legale Kiffen stören wird. Und wenn das legale Kiffen ein Erfolg wird, dann ist es vielleicht auch an der Zeit, den Umgang mit anderen (noch) illegalen Drogen zu überdenken. Denn: Sowohl die Konsumenten als auch die Nicht-Konsumenten könnten von einem weniger restriktiven und damit wohlüberlegten Umgang mit allen Drogen profitieren.

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