Redaktionsvorstellung 1/9

von Florian Windberger
Editor in Chief

Max Molden

Max hat in Bayreuth Philosophy and Economics studiert und am King's College London einen Master in Political Economy absolviert. Zurzeit promoviert er an der Universität Hamburg über Interventionen und Interventionsdynamiken

  1. Wie bist Du zum Freydenker gekommen?

Der Kontakt kam über Juan D. Estevez zustande, der einer meiner besten Freunde ist. Er hat dem damaligen Chefredakteur Rick vorgeschlagen, mich zwecks Verfassen eines Artikels zu fragen. Den habe ich gerne geschrieben und bin dann recht bald Mitglied der Redaktion geworden.

  1. Warum Freiheit und warum lohnt es sich, darüber zu schreiben?

Wer Freiheit hat, nimmt sie als gegeben hin und denkt kaum mehr darüber nach, was sie bedeutet – und was sie voraussetzt. Ich habe durch meine Kontakte mit Liberalen aus anderen Ländern, in denen es der Freiheit deutlich schlechter ging und geht, gelernt, dass die Freiheit dort, wo sie bedroht war und ist, deutlich mehr Verteidiger findet. Gerade deswegen ist es im wohlhabenden und doch grundsätzlich liberalen Deutschland besonders notwendig, für die Freiheit einzustehen. Zum Beispiel, indem man Artikel verfasst, die konkrete Themen aus einer liberalen Perspektive beleuchten und gängige Narrative, die oft Fehlschlüsse sind, hinterfragt. Hierfür sind viele Einsichten aus der politischen Ökonomie hilfreich.

  1. Was sind Deine Top-Strategien oder Tipps fürs gute Schreiben?

Man muss sich einfach ransetzen und schreiben, schreiben, schreiben. Es ist oft diese erste Überwindung – sich wirklich vor den Laptop zu setzen und sich an einen Artikel heranzuwagen, die die größte Hürde ist. Ansonsten gilt: Schreiben ist ein Handwerk. Gut schreiben zu können, ist nicht gottgegeben. Man muss es genauso erlernen, wie man eine Fremdsprache erlernen muss oder vielleicht einen Sport. Dafür gibt’s aber viele coole Bücher, die einem helfen. Ich habe sehr gerne Economical Writing von Deirdre McCloskey gelesen. Da geht es zwar ums englische Schreiben, aber McCloskey erklärt auch grundlegend, dass Schreiben etwas ist, was gelernt werden muss.

  1. Worüber möchtest Du unbedingt mal einen Artikel schreiben oder mit wem möchtest Du unbedingt mal ein Interview führen? (Und warum?)

Am spannendsten fände ich es, ein Interview mit Israel Kirzner zu führen. Kirzner ist einer der Granden der Österreichischen Schule und hat viele höchst bedeutende Beiträge zur politischen Ökonomie beigesteuert. Das Interview wäre aber auch historisch interessant, da Kirzner viele große, längst verstorbene Denker kennt. Und nicht zuletzt ist Kirzners Arbeit über die ‘perils of regulation’ eine extrem wichtige Quelle für meine eigene Forschung.

  1. Wenn Du nicht gerade über einem Artikel oder anderweitiger Redaktionsarbeit sitzt, bei welcher Tätigkeit kann man dich antreffen?

Ich promoviere an der Universität Hamburg über Interventionen und Interventionsdynamiken. (Deswegen ist Kirzners Arbeit zu Regulierung auch so spanned für mich). Nebenbei arbeite ich noch in einer literarischen Agentur und spiele leidenschaftlich gerne Hockey. Einem gemeinsamen Bierchen mit guten Freunden und ab und an etwas Kultur (klassische Konzerte!) bin ich auch nie abgeneigt.

  1. Welche drei Bücher haben Dich am meisten geprägt (und wie)?

Als ich mehr oder weniger per Zufall auf die Österreichische Schule gestoßen bin, habe ich es mir in den Kopf gesetzt, bei den großen Texten anzufangen – und mich durch Human Action von Ludwig von Mises gekämpft. Nicht nur das Buch, sondern einige andere von Mises, wie Liberalismus und die The Theory of Money and Credit, die ich damals gelesen – wenn auch kaum verstanden habe –, haben mich sehr geprägt: sie haben mir ein intellektuelles Aha-Erlebnis beschert und zum ersten Mal überhaupt meine Leidenschaft an etwas geweckt. Daneben hat mich das Buch Sonnenfinsternis, welches ich vor einiger Zeit hier vorgestellt habe, sehr beeindruckt. Koestlers Buch fängt intuitiv viele der Erkenntnisse der politischen Ökonomie ein und ist eine beeindruckende Warnung vor dem, was Hayek den konstruktivistischen Rationalismus genannt hat – und grundsätzlicher vor der Maxime, der Zweck heilige die Mittel.

  1. Wenn Du eine riesige Botschaft am Brandenburger Tor platzieren könntest, was würde darauf stehen und warum?

Freiheit, Demokratie und Wohlstand gehen dann verloren, wenn wohlmeinende Menschen sich anmaßen, sie könnten andere durch Zwang glücklich machen. Daher würde ich schreiben: “Seid Euch Eurer Fehlbarkeit bewusst!”